Der Zauber des Anfangs

„Ich war Reisender, bevor ich Musiker geworden bin.“ Mit diesem Satz eröffnet Farin Urlaub (Die Ärzte), eine ganz besondere Reisen Reisen Folge, die uns quer über den Globus, vor allem aber durch das atemberaubend schöne und aufregende Afrika führt.

Farin ist neun als er zum ersten Mal mit der sozialistischen Jugend Deutschlands (SJD – Die Falken) nach Schweden reist. Grob zusammenfassen kann man diese Erfahrung wohl irgendwie so: Anarchie, Liederbücher, Lagerfeuer. Und, nach einigen Wochen zurück in Berlin am Bahnsteig an Mutters Rockzipfel ziehend, ein „komplett verwahrlostes“, aber glückliches Kind mit Reiselust auf Lebenszeit als Souvenir.

Farin Urlaub. Der Name ist Programm.

Der nächste sinnvolle Schritt war es dann, sich zu überlegen, ob und wie man denn wohl mit einem von beidem seinen Lebensunterhalt verdienen könnte. Einen vagen Plan gab es. Aber dann ist die Sache mit der Musik passiert. Und das lief, wie wir alle wissen, sehr schnell sehr gut. Von da an konnte Farin seine Reiseleidenschaft – und dafür ist er sehr dankbar – in vollen Zügen genießen. Wobei er im Zweifelsfall das Motorrad oder seinen alten Toyota bevorzugt.

Reisen und Musik also. Und was oft wie von selbst geschieht, wenn zwei Herzensdinge frei gelebt werden, trifft auch hier zu: wechselseitige Inspiration. Kann dann schon mal passieren, dass die Idee zu einem Song namens „Langweilig“ genau in dem Moment aufpoppt, in dem ein Löwe vorm Zelt steht.

„Nicht von dieser Welt“ – Djenné Moschee, Mali

Rein vom musikalischen Eindruck könnte man auf die Idee kommen, dass Farin Urlaub mehr so der Typ ist, der das Risiko sucht. Tatsächlich ist es aber so, dass jugendlicher Leichtsinn über die Jahre zu einer Art erwachsenen Leichtigkeit geworden ist: Abenteuer ja, Risiko in mittleren Dosen, aber immer mit Vorsicht, Umsicht und vor allem mit Feingefühl für Mensch und Natur.

Für Farin rückblickend noch immer das schönste, zugleich aber eben auch das gefährlichste Land, das er je bereist hat: Mali. Die erste ausschlaggebende Intention, die Farin sehr impulsiv verfolgt hat – war die große Moschee von Djenné – eine Art riesige Sandburg. Nur besser. Und mit Lehm statt Sand. Ein quasi lebendiges Gebäude, weil Wind und Wetter immer wieder die obersten Schichten abtragen, die dann erneuert werden müssen. Bei einer Reise nach Mali sollte es nicht bleiben. Mehr sei an dieser Stelle nicht vorweggenommen.

Äthiopien: „Unfassbar spannend“

Klar, der mitunter größte Reiz Äthiopiens sind Naturvölker, die uralte Bräuche und Traditionen bis heute bewahren und leben. Dass man vielen Stämmen teilweise gegen Geld beim Leben zusehen kann, mag die romantisierte Vorstellung unverfälschter Einblicke in eine vollkommen andere Art zu leben im ersten Augenblick eintrüben. Auf den zweiten Gedanken liegt genau darin aber eine Chance, die für beide Seiten potenziell sinnvoll sein kann – solange der Tourist Respekt im Gepäck hat, und massentouristische Tendenzen im Keim erstickt werden.

Farin hatte die Chance, verschiedenste Tribes kennenzulernen – auch solche, bei denen das nicht ganz so einfach ist. Erfahrungstechnisch war dann von befremdlich bis bereichernd alles dabei.

Vorsicht ist die Mutter des Elefantenfutter(s)

Farins Tipp für Reisen nach Afrika oder andere Gebiete, in denen Sicherheit nicht immer selbstverständlich ist: vorher beim britischen auswertigen Amt sorgfältig nach Reisewarnungen erkundigen – die geben ehr gut recherchiert und realistisch Infos raus.

Außerdem hilfreich: Das Gehör konditionieren. Vor allem dann, wenn man sein Gefährt quasi mitten in der Wildnis parkt, um dort zu nächtigen. Weil der Glaube an Geister in vielen afrikanischen Gebieten auch heute noch präsent ist, sind in der Nacht, vor allem in ländlichen Gegenden, kaum Menschen außerhalb der Dörfer unterwegs. Die, die es dann doch sind, könnten allerdings potenziell gefährlich sein. Deswegen ist es wichtig, die Stille und ihre Unterbrechungen wahrzunehmen. Solange man sich dann auch selber leise verhält – und nach Möglichkeit nicht im Essen eines Elefanten zeltet – hat man gute Chancen auf eine erholsame Nacht ohne unangenehme Zwischenfälle.

Eine Portion Facts zum Schluss

  • Top 3 Essen: Japan, Japan, Japan. (Danach: Italien, Laos, Peru)
  • Bester Sternenhimmel: „Sterne mit ein bisschen Dunkel dazwischen“ in der Sahara (Tunesien)
  • In drei Fotobänden hat Farin seine Reisen auf eindrucksvolle Weise dokumentiert. Indien & Buthan, Australien & Osttimor und ein Afrika-Doppelband. „Wenn Du das erste Mal irgendwo landest und der Taxifahrer fragt Dich, ob Du zum ersten Mal da bist: sag immer Nein.“
  • Farins Playlist zur Folge ist so special, dass Spotify nicht mit allen Songs auf seiner Liste dienen konnte. Auf Instagram findet Ihr bald eine Grafik mit allen Tracks.

Spätestens jetzt also: Folge an und weit weg driften. Das war nämlich bei Weitem nicht alles. Viel Spaß! Und danke Farin, es war uns ein Fest.

6 KOMMENTARE

    • Hey, danke für die Erwähnung und das Hören! Freut uns sehr. Alle Gute Dir und bleib gesund! Michael & Jochen

  1. Sehr geiler Podcast!
    Bin durch die Suche von „Farin Urlaub“ auf euch gestoßen. Die Moderatoren sind entspannt und witzig, nicht zu aufdringlich aber erzählen interessante Dinge von sich selbst, die absolut zum Thema passen. Farin ist ein richtig interessanter Gast, es macht total Spaß ihm zuzuhören. Alles zusammen klingt nicht aufgesetzt, die Unterhaltung ist locker und unglaublich lustig. Werde mehr von euch hören.
    Ganz liebe Grüße aus Oberfranken
    Caro

    • Hey Caro,
      vielen Dank! Das ist schön zu hören. Weiterhin viel Spaß mit unseren Folgen und alles Gute Dir!!
      Micha und Jochen

  2. Lieber Michael, lieber Jochen, lieber Farin!

    Herzlichen Dank für diese interessante Podcastfolge, es hat mir richtig Spaß gemacht zuzuhören und ich nehme viele Gedanken mit. Besonders schön fand ich die Aussage, dass man einen Moment nicht einfangen kann, wenn man gleichzeitig ein Foto von ihm macht.

    Also danke – hat gut getan! Bleibt gesund und macht weiter so 🙂

    Alles Liebe,

    Charlotte

    • Hey Carlotte,

      das ist schön zu hören. Ja, diese Aussage bleibt irgendwie hängen. 🙂 Auch bei uns. Freut uns sehr, dass wir dir schöne 90 Minuten bescheren konnten. Wir machen sicher weiter so – macht einfach zu viel Spaß. Pass du bitte auch auf dich auf und bleib gesund!

      Gruß

      M&J

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