Love actually.

Mit einer Fläche von etwa 7,7 Millionen km² ist Australien der kleinste Kontinent und gleichzeitig das sechstgrößte Land der Erde. Dabei macht Australien den Großteil der Landmasse des so geheimnisvoll klingenden Ozeaniens aus – das ist, ganz kurz gefasst, fast die gesamte Inselwelt des südlichen Pazifiks. Rund drei Viertel Australiens bestehen aus wüstenartigen Landschaften, die vor allem unter dem Begriff „Outback“ geläufig sind. Aber Outback ist nicht gleich Outback: In Queensland zum Beispiel zeigt es als unberührter tropischer Regenwald sein ebenso faszinierendes grünes Gesicht.

Wer „Australien“ hört, der denkt wohl zuerst an seine weltbekannten Sehenswürdigkeiten und typische Touristenmagneten. Zum Beispiel an den beeindruckenden „Uluru“ im Northern Territory. An das „Great Barrier Reef“ im Nordosten Australiens. Oder an lebhafte Metropolen wie Perth, Brisbane, Melbourne oder Syndey mit dem berühmten „Bondi Beach“. Und ja – alles unglaublich schön, sehenswert, spannend! Aber in dieser Folge schenken wir unsere Aufmerksamkeit einer Region, der oft (zu Unrecht!) weniger Beachtung geschenkt wird: Südaustralien. Sowohl Michael als auch Jochen waren schon dort und für beide ist es nicht nur eine kleine Schwärmerei, sondern tatsächlich Liebe.

Die Gretchenfrage.

Vorab: Ja, der Flug nach Australien fällt umwelttechnisch schwer ins Gewicht. Deshalb sollte die Devise unbedingt lauten: Kompensieren, kompensieren, kompensieren! Jochen und Michael machen das zum Beispiel via atmosfair oder myclimate. Außerdem macht es Sinn, statt vieler kurze Aufenthalte mindestens einen Monat oder länger zu bleiben. Genug zu entdecken gibt es allemal. Gegen Overtourism hilft wie immer: Off-Season nutzen! In (Süd-)Australien geht das ohnehin super, weil sich die Temperaturen selbst im Winter tagsüber noch immer um die 15–20°C herum bewegen.

Wer Jochen und Michael und damit auch das Konzept hinter diesem Podcast kennt, der weiß, dass die beiden alles tun, um ihre große Leidenschaft so nachhaltig wie möglich auszuleben. „Warum dann überhaupt reisen?“, mag sich vielleicht manch eine*r fragen. Die Antwort lautet: Reisen bildet. Wer reist, begegnet unendlich vielen Arten, dieses Leben zu führen und erlebt die unbegreifliche Schönheit unseres Planeten Erde hautnah. Wer reist, geht in jeder Hinsicht mit offeneren Augen durch die Welt und lernt wieder zu staunen wie ein Kind.

Magische Vulkanseen und versunkene Gärten

Michael hat sich damals für einen Roadtrip durch Südaustralien entschieden. Eine weise Wahl. Über die berühmte „Great Ocean Road“ ging’s ertsmal 400 Kilometer am Meer entlang von Torquay nahe Melbourne nach Nelson an der südaustralischen Grenze. Allein das – ein unvergessliches Erlebnis und tatsächlich ganz oben in Michaels Roadtrip-Charts.

Der erste Halt: Mount Gambier, eine Kleinstadt im Südosten Südaustraliens, landschaftlich geprägt von grünen Hügeln und vielen Maarseen rund um den gleichnamigen Vulkan herum. Besonders beeindruckend ist der „Blue Lake“. Durch Algen, die auf Temperaturwechsel reagieren, schimmert sein Wasser je nach Jahreszeit entweder surreal Kobaltblau oder mystisch gräulich.

Ebenfalls in Mount Gambier gibt es das sogenannte „Umpherston Sinkhole“, auch „Sunken Garden“, also „Versunkener Garten“ genannt. Entstanden ist dieses Loch in der Erde, als die Decke der einstigen Kalksteinhöhle eingestürzt ist. Benannt wurde es nach dem Farmer James Umpherston, der im 19. Jahrhundert kurzerhand beschlossen hat, das Loch als Gartenfläche zu nutzen. Und was für ein Garten das ist! Paradiesisch.

Uralte Höhlen, Edelsteine, Naturschauspiele

Von Mount Gambier aus ging es für Michael dann weiter gen Norden zum „Naracoorte Caves Nationalpark“. Und die Mehrzahl – Caves – ist hier absolut angebracht: 26 Höhlen aus bis zu 200 Millionen Jahre altem Kalkstein laden mit ihren Stalaktiten, Stalagmiten und ausgestellten Fossilien zum Staunen ein.

Beim Stichwort „Höhlen“ erinnert sich Jochen an seine eigene Südaustralien-Reise und den fast außerirdisch anmutenden Ort Coober Pedy. Für ihn ein Must-see. Weil es dort so extrem heiß werden kann, lebt mehr als die Hälfte der 1.800 Einwohner unter der Erde. Wer Glück hat, findet vielleicht sogar einen Opal! Denn auch dafür ist Coober Pedy bekannt.

Auf dem Weg nach Adelaide hat Michael noch einen Abstecher nach Meningie gemacht, ein Tipp von australischen Freunden. Nicht einmal 900 Menschen leben dort. Daraus sollte man allerdings keine voreiligen Schlüsse ziehen. Auf den ersten Blick mag Meningie wenig spannend wirken, auf den zweiten dafür umso mehr, vor allem für Freunde des gepflegten Naturschauspiels. Der farbenprächtige Sonnenuntergang über dem Lake Albert, auf dem sich abends regelmäßig unzählige Pelikane tummeln, hat Michael komplett verzaubert. Dazu viel angenehme Ruhe und wenig andere Touristen – perfekt.

Wie Berlin im Sommer, nur mit Meer.

Adelaide ist die Hauptstadt Südaustraliens. Etwa 1,3 Millionen Menschen sind hier zuhause. Unter anderem dadurch, dass Städte wie Sydney oder Melbourne durch ihre Popularität nicht nur für Reisende, sondern leider auch für Landsfrauen und -männer immer teurer, teilweise zu teuer geworden sind, hat Adelaide sich über die letzten Jahre hinweg zu einer der hippsten Städte Australiens gemausert. Jung, kreativ, dynamisch, facettenreich!

Diese Aufzählung sei durch folgende untermauert: Lockere Menschen, Street Food Festivals und generell eine tolle, von Nachhaltigkeit und Wertschätzung geprägte Esskultur. Cafés von gemütlich bis stylisch, kleine alternative Läden und natürlich auch eine ganz konventionelle, aber auffallend schöne Fußgängerzone. Hübsche Parkanlagen, Museen, besonders eindrucksvolle Stadtviertel wie etwa Glenelg mit Riesenrad am Strand, und großartige Märkte, allen voran der „Central Market“, den es schon seit 150 Jahren gibt. Alles in allem eine Atmosphäre, die an Berlin im Sommer erinnert, findet Michael. Allerdings mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass Berlin nicht am Meer liegt – und kein wirklicher Konsens darüber zu herrschen scheint, was ein „Flat White“ denn nun ist. 😉

Tipp: Im South Adelaide Museum und im Tandanya National Aboriginal Cultural Institute kann man viel über die Geschichte Australiens und seine indigene Bevölkerung („Aborigines“) lernen. Und das sollte man auch. Nicht nur, weil das hochspannend und bereichernd ist, sondern auch, weil es – bei aller Begeisterung für dieses einmalige Land – immer auch dunkle Kapitel gibt, die nicht außen vor gelassen werden dürfen.

Wallabys, Wein und Wüste

Ein Abstecher auf die Insel Kangaroo Island, die drittgrößte Insel des Landes, sollte auf keiner Südaustralien-Reise fehlen. Der Name verrät, warum. Es gibt Kängurus, Wallabys (das sind auch Kängurus, nur kleiner und süßer), Koalas und Pinguine. Michael hat eine Nacht-Tour gemacht und kann das uneingeschränkt empfehlen. Und auch passionierten Wellenreiter*innen sei Kangaroo Island wärmstens ans Herz gelegt.

Zurück auf’s Festland: Als gebürtiger Pfälzer ist Michael dem Wein nicht abgeneigt. Entsprechend gut gefallen haben ihm die malerischen Orte Clare Valley und insbesondere Barossa Valley. Weinreben soweit das Auge reicht, über 50 Kellereien und feinstes Essen – zum Beispiel im The Louise. Und wie könnte ein erlebnisreicher Tag besser enden als mit einem eiskalten Gläschen australischen Rieslings? Ein märchenhaftes Fleckchen Erde, das sich ausgezeichnet mit dem Fahrrad erkunden lässt und das komplette Kontrastprogramm zu den roten Wüstenlandschaften Australiens ist.

… Aber auch die sind alles andere als langweilig. Ein Wort: Kontemplation. Was eignet sich dafür besser, als eine endlos lange Straße durch das australische Outback, wie man es sich vorstellt, fernab jeglicher Zivilisation? Am besten vorher noch eine richtig lange, schöne Playlist erstellen – Hallo Freiheitsgefühl! Wer von Adelaide aus durch Südaustralien bis zur Grenze des Northern Territory fährt, kann genau das erleben, und zwar über 1.000 km lang. Mit dem Gedanken, dass das nur eine von vielen solcher Strecken ist, lässt sich im Ansatz erahnen, mit was für gigantischen Wüstenflächen wir es hier zu tun haben.

Sowohl Michael als auch Jochen haben diese besondere Erfahrung gemacht. Jochen erinnert sich dabei auch an die Nächte unter einem unglaublichen Sternenhimmel und findet: „Man ist näher bei sich selbst, wenn da sonst weit und breit keine anderen Menschen sind. Das macht was mit dir.“

“G’day, mate!”

Südaustralien hat alles zu bieten, was es braucht, um ein handfestes Fernweh zu stillen: Farbenfrohe Landschaften von saftig grün bis tiefrot. Eine bunte Tierwelt (Achtung, wenn zu bunt, dann meistens zu giftig). Endlose Weiten, charmante Örtchen, und vor allem, wie so ziemlich überall in Australien, entspannte und weltoffene Menschen, die gerne Worte schrumpfen, miteinander verschmelzen und verniedlichen, um sie dann unfassbar schnell auszusprechen. Was sich für unser einer ähnlich lustig anhört, wie es wohl umgekehrt, sagen wir… „merkwürdig“ klingt, wenn wir englisch (oder gar deutsch) sprechen.

In diesem Sinne: “g’day, mates!” 🇦🇺 – und genießt den Ausblick …


Diese Podcast-Folge entstand mit freundlicher Unterstützung der South Australian Tourism Commission. Unsere Recherchen sind dadurch in keiner Weise beeinflusst.

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