Jochen hat noch Sand im Schuh

Man darf wieder reisen! Zwar noch begrenzt und natürlich unter Berücksichtigung der bekannten (Vorsichts-)Maßnahmen, deren konsequente Einhaltung überhaupt erst dazu geführt hat, dass wir unseren Bewegungsradius so früh wieder erweitern können – das darf man nicht vergessen! Aber wir haben ein Stückchen Freiheit zurück. Und das weiß man jetzt umso mehr zu schätzen. Wir lassen die Sache langsam angehen – im wahrsten Sinne des Worte, denn langsam passt vollends zu dem Ort, von dem Jochen gerade erst zurückgekehrt ist: Juist. Eine lange, schmale ostfriesische Insel westlich von Norderney. Ein magischer Naturort. Frei von Autos. Stattdessen? Pferdekutschen und Fahrräder. Was Jochen von seinem Trip mitbringt: Angenehme Erschöpfung, Sand in den Schuhen und tiefe Freude darüber.

Ruhe, Weite, Langsamkeit

Juist wird weniger oft von Fähren angesteuert, als etwa Norderney. Das führt unter anderem dazu, dass es weniger Tagestouristen und somit – wertfrei – insgesamt mehr Ruhe auf der Insel gibt. Als Jochen am Anreisetag mit dem Zug in Norden ankam, fuhr gar keine Fähre. Die einzig übrige Möglichkeit für diesen Tag: Ein Flug von Norddeich Mole nach Juist. Nochmal eine ganz andere Art, sich diesem Ort zu nähern. Die Nordsee von oben. Weite Strände, ineinander verlaufende Farben, weite Strände. Und das für vergleichsweise wenig Geld. Wobei wir hier auch immer an die CO2-Bilanz denken möchten: Wenn es eine Alternative zum Fliegen gibt, unbedingt nutzen.
Die „äußere Landung“ war für Jochen dann auch eine Art innere Landung. Ein Tor in eine andere Welt, eine stillere, langsamere. Der Weg zur Pension? Via Pferdekutsche oder zu Fuß. Jochen hat sich für Letzteres entschieden. Eine Stunde durch wunderschöne Naturlandschaften. Meeresluft. Vögel. Die perfekte Ankunft. Vom ersten Schritt an das absolute Kontrastprogramm zur urbanen Hektik. Loslassen.

In einer anderen Welt über den Meeresboden wandern

Wir sagen das immer wieder, und immer wieder gern: Man muss nicht weit reisen, um sein Fernweh zu stillen, um das Reisgefühl zu spüren, um sich weit weg zu fühlen. Wenn Jochen vom Billriff erzählt, kann (und will) man sich nicht wehren gegen den unbedingten Wunsch, das Ganze selbst zu sehen, zu riechen – zu erfahren. Nach einer etwas beschwerlichen Radtour – hört selbst – wurde Jochen belohnt mit einem Anblick, der fast schon surreal war. Durch ein paar beschilfte Dünen hindurch eröffnet sich mit einem Mal die Definition von Weite. Weißer Sand in alle Richtungen. Riesige Flächen. Bodennebel aus Sandwehen, fast mystisch. Gigantische Wolkenbilder. In der Ferne Seehunde und das wild tanzende Meer mit Wellen, die ewig weit auslaufen und trotzdem nicht mal annähernd an einen selbst heranreichen. Entkoppelt von Zeit und Raum. Wandern über den Meeresboden in einer anderen Welt. Und abends im Bett der Gedanke: „Darum reise ich.”

Surreale Szenerie am Billriff auf Juist

Der Ausflug zu Billriff war außerdem der ultimative Beweis dafür, dass jedes Wetter seinen Reiz hat. Das gilt insbesondere für ostfriesische Inseln. Deswegen legen wir euch ans Herz, auch den Herbst (Zugvögel!) oder Winter für Reisen nach Juist (oder andere ostfriesische Inseln) in Betracht zu ziehen. Für alle, die trotzdem Sommer, also Hauptsaison wollen: früh genug planen!

„Land“ & Leute

Juist war lange Zeit nahezu isoliert vom Festland. Ihren einzigartigen Charakter hat die Insel sich bis heute bewahrt. Höher, schneller, weiter? Nicht auf Juist. Es geht nicht um möglichst viele Highlights, die „abgearbeitet“ werden wollen. Es geht um Natur, es geht um „da sein“. Die Zeit läuft hier definitiv langsamer. Vieles ist noch immer so, wie es schon vor Jahren war. Die Menschen kennen sich. Auch sie sind in gewisser Weise wie die Insel, auf der sie leben: Herzlich, nur auf eine andere, auf eine ruhigere, unaufgeregte Weise. Authentisch.

Wer uns kennt, der weiß: Kein Reisen Reisen ohne Essen Essen. Jochen hat auf Juist direkt nach seiner Billrifferfahrung sein Lieblingscafé gefunden: Die Loogster Stuv. Leckerste, hausgemachte Kuchen und Torten, dazu Ostfriesentee mit Kluntje & Sahne in gemütlichster Atmosphäre. Perfekt. Außerdem einen Besuch wert: Das Lüttje Teehuus und die Domäne Bill.

Wer Ruhe sucht, Wege aus der Hektik, Beschaulichkeit und Echtheit: Auf Juist stehen die Chancen gut, all das zu finden. Ob für ein Wochenende oder mehr. Übrigens: „Juist“ kommt vermutlich vom Wort „güst“, was „karg“ bedeutet. Okay – karge Schönheit, wenn man so will. Wir finden allerdings, dass der Name „Töwerland“, wie Juist auch genannt wird, in seiner Bedeutung um ein Vielfaches besser passt: Zauberland.

2 KOMMENTARE

  1. Hallo Jochen, toller Bericht von Juist. Ich war in den 80ern häufig dort und liebe die Insel. Heino macht bereits seit 1980 die Wattführungen, also seit 40 Jahren. Früher stand überall Heino – Alfreds Sohn. Alfred als der Wattführer von Juist war in den 70ern Gast in einer der legendären Samstagsabend- Familienshows und wurde dadurch „berühmt“. Weiter viel Spaß bei euren Podcasts – ich höre sehr gerne zu. Gruß Thomas

    • Danke Thomas, fürs Hören, das Feedback und die Infos zu Heino. Ja, der Mann ist eine Ikone. Wir werden weiter alles geben, damit du weiter Freude an uns hast. Alles Gute!! Jojchen

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